FAFCE

Föderation der katholischen Familienverbände in Europa

Das "Erdbeben" eines Down Babys. "Wieder einmal Vater geworden und ich fühle mich endlich wie ein Sohn."


1521115448-Giorgio Maria

 

Der vorliegende Artikel wurde ursprünglich in der italienischen Zeitung "Avvenire" abgedruckt. Es ist der Bericht von Gigi De Palo, Präsident des FAFCE-Mitgliedsverbandes "Forum delle Associazioni Familiari".

 

 

 

 

 

Ich fühle mich wie in einem Traum. Ich verstehe noch immer nicht, was passiert ist, aber es gibt da einen Strudel neuer Empfindungen in meinem Herzen, den ich nicht erklären kann. Aufruhr und Verwirrung, ein seltsamer Druck, den ich nicht erwartet hatte, bestimmt diese denkwürdigen Tage. Giorgio Maria hat mein Leben schon verändert. Er ist nicht nur ein Kind mit Down-Syndrom, er ist ein Erdbeben, das meine Sicherheiten niederreißt.



Ein Gefühl wie das Schmelzen von Schnee in der Sonne. Das ist der vorherrschende Gedanke. Ich erinnere dieses Gefühl aus meiner Kindheit am Tag nach dem Weihnachtsabend, ein glückliches und aufgeregtes Erwachen wegen der unerwarteten Geschenke, die ich in meinem Brief an das Christkind gar nicht erwähnt hatte, und die mich mehr freuten als all die anderen. Die Phantasie des Lebens, die meine starren und sich wiederholenden Muster übersteigt. Die neue Wirklichkeit bringt mein Leben zum Einsturz und macht alle Theorien lächerlich. Amoris Laetitia donnert mir ungebremst ins Gesicht. Und ich bin im Alter von einundvierzig Jahren wieder Vater geworden, fahre auf einem Moped durch Rom und summe die Lieder von Claudio Baglioni. Ich bin überrascht, dass mich etwas glücklich macht, was mich eigentlich beunruhigen sollte.

Vater eines Down-Syndrom-Kindes zu sein, wird nie ein Spaziergang werden. Und vor allem ist es kein Aushängeschild, um den Menschen zu zeigen, wie gut man ist. Ich wollte nie Klassenbester sein .. Und zum ersten Mal nehme ich die stumme Armee von Müttern und Vätern wahr, die sich klaglos Tag für Tag über ein Kind in Not beugen. Es ist wahr: Die Realität ist ein Schlag ins Herz, der dich aus deinen Geschichten reißt, die du dir selbst erzählst. Ich schaue meine Frau an: auch sie befindet sich in einem Nebel aus Liebe, wie ich sie nur bei der Geburt unseres ersten Kindes gesehen habe. In Liebe verloren. Unser neuer Sohn ist für unsere große Familie wie eine Kirsche auf dem Eisbecher. Es ist einfach, von der Schönheit der Familie zu sprechen, wenn alles glatt läuft. Es wird etwas schwieriger, wenn das Leben deine Plänen durchkreuzt.

Es ist ein Schock für alle, die sich eigentlich auf zwei Geraden sehen und sich stattdessen auf einer Achterbahn wiederfinden, die auf Hochtouren läuft. Das ist der beste Teil. Ich werde jetzt herausfinden, wer ich wirklich bin. Ich werde an meine Grenzen stoßen, die ich jetzt am liebsten unter den Teppich kehren möchte. Und auf geheimnisvolle Weise fühle ich mich weniger müde, weil ich nicht mehr nur für mich selbst lebe. Ich verliere mich, ich gebe mich auf, ich nehme mich selbst zurück. Ich bin bereit, mein Leben für dieses schwache Kind zu geben. Meine alten Ängste sind wie weg geblasen. Es ist schön, keine Angst sondern Nachsicht zu haben. Giorgio Maria, du bist ein Ruck, der mich aufweckt.

Du bist es, der mich daran erinnert, dass das Leben stärker ist als der Tod. Liebe ist größer als Angst. Deine kleine Hand, die meinen Finger durch den Inkubatorschlitz hielt, reichte aus, um mich von innen zu umarmen. Es ist schon seltsam: Es brauchte nur, dein Vater zu werden, um sich endlich wie ein Sohn zu fühlen.



KONTAKT

Telefon: +32 (0) 4 98 46 02 20 

Mail: FAFCE Föderation der katholischen Familienverbände in Europa

19 Square de Meeus B-1050 Brüssel/Belgien

youtube-icone-8916-128

twitter-icone-3703-128

facebook-icone-8470-128