FAFCE

Föderation der katholischen Familienverbände in Europa

Die Rolle von Familienverbänden: das Evangelium von der Familie weitertragen

DUBLIN 2018 Antoine Renard with a familyDublin, 24. August 2018

Ansprache des FAFCE-Präsidenten, Antoine Renard, anlässlich des Pastoralkongresses in Dublin - im Rahmen des Weltfamilientreffens, 22.-26. August 2018

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei".

Es ist auch nicht gut, dass Familien isoliert unter sich bleiben. „Die Familie kann nicht isoliert bleiben wie eine Monade", gab der Hl. Vater uns im Juni 2017 mit auf den Weg. „ Sondern sie muss aus sich selbst herauskommen, mit anderen sprechen und ihnen begegnen, um eine Einheit ins Leben zu rufen, die keine Einförmigkeit ist und die Fortschritt und Gemeinwohl erzeugt." Die Familienverbände bieten einen Rahmen für diese gegenseitige Unterstützung und Aktionen, als Antwort auf den Aufruf des Hl. Vaters, wobei die Stärke der Verkündigung des Evangeliums im Mittelpunkt steht.

GEGENSEITIGE UNTERSTÜTZUNG

Vor mehr als einem Jahrhundert kam es zur Gründung von Familienverbänden, zunächst ganz praktisch, um gegenseitige Hilfe zwischen benachbarten Familien zu organisieren.


In den zwanziger Jahren schlossen sich in Frankreich ländliche Familien zusammen, um z.B. eine Waschmaschine zu kaufen, die in der Woche von Familie zu Familie wanderte. Später war es ein Fernseher, um gemeinsam fernzuschauen.


Indem man Antworten auf konkrete Bedürfnisse fand, kam es so ganz nebenbei zu Austausch, Dialog und Teilen; „Gott hat der Familie das Projekt anvertraut, die Welt „heimisch" zu machen", sagt der Papst und empfiehlt „ einen kräftigen Schuss Familiengeist" (Amoris Laetitia - AL - 183).
Diese spezielle Kenntnis um neue und anders geartete Bedürfnisse von Familien - je nach Region und Epoche - macht es Familienverbänden möglich, natürliche Antworten zu finden, oft lange bevor es zu nationalen Maßnahmen der Solidarität kommt.


In Polen z.B. unterstützen Familienverbände Familien bei der Suche nach einer Wohnung.


In Österreich stellt man das vorhandene Netzwerk bei der Aufnahme von Migrationsfamilien zur Verfügung.


In der Tschechischen Republik hilft man jungen Müttern in Not, Eltern mit behinderten Kindern...


Von Anfang an aber waren Familienverbände im Bildungsbereich unterwegs, denn die Schule kann nicht alles leisten; allzu oft fühlen sich Eltern beim Umfang einer Aufgabe überfordert; jetzt erinnert uns der Papst: "Die Integrale Erziehung der Kinder ist sowohl eine große Pflicht aber auch ein Grundrecht der Eltern. Es ist nicht nur eine Last oder Bürde sondern auch ein wesentliches und unersetzliches Recht, das es zu verteidigen gilt und das uns niemand absprechen kann" (AL 84).


Angesichts großer Herausforderung schlagen heute viele Experten in Deutschland, Polen, Frankreich und Italien Programme für die Sexualerziehung vor, die allzu oft „das Thema auf die leichte Schulter nehmen" (AL 284). An dieser Stelle kommen Familienverbände ins Spiel, die das Grundrecht der Eltern auf Integrale Erziehung ihrer Kinder verteidigen und daran erinnern, dass ein Erzieher immer im Namen und im Auftrag der Eltern agiert.


AKTION


Es ist die Vertrautheit mit und Sachkenntnis in diesem speziellen Bereich hinsichtlich der konkreten Bedürfnisse von Familien und ihren Mitgliedern, was lokale Familienverbände befähigt, sich zum Sprachrohr bei örtlichen Behörden zu machen und Initiativen vorschlagen, die den Alltag von Familien erleichtern (Wohnung, Transport, Arbeit, Bildung, Gesundheit, Umwelt, Freizeit...).


Indem sie sich je nach der Größe eines Landes aufstellen und organisieren, sind Familienverbände Gesprächspartner für politische Akteure, die nationale Maßgaben steuern und leiten, und „somit", unterstreicht der Papst, „liegt es in der Verantwortung des Staates, rechtliche und wirtschaftliche Bedingungen zu schaffen, welche den Jugendlichen eine Zukunft garantieren und ihnen dabei helfen, ihr Vorhaben der Familiengründung umzusetzen." (AL 43)


Schon Johannes Paul II hatte gesagt: "In diesem Sinne sollen die Familien sich dessen immer mehr bewußt werden, daß in erster Linie sie selbst im Bereich der sogenannten "Familienpolitik" die Initiative ergreifen müssen; sie sollen die Verantwortung für die Veränderung der Gesellschaft übernehmen. Sonst werden die Familien die ersten Opfer jener Übel sein, die sie vorher nur gleichgültig betrachtet haben." (Familiaris Consortio 44)
Oft werden Frankreich und seine Besonderheiten hinsichtlich einer wirkungsvollen Familienpolitik zitiert (Geburtenrate, Berufstätigkeit der Frau). Dies muss um eine Besonderheit erweitert werden: seit 1945 ist die Arbeitsgemeinschaft der Familienverbände in Frankreich institutioneller Partner des Staates und wichtiger Akteur in der Politik, der zwangsläufig von Regierung und Parlament zu allen Bereichen, die sich in irgendeiner Weise auf das Leben von Familien auswirken, konsultiert wird... Leider konnte diese Tatsache aber nicht alles verhindern oder gar zum Guten wenden.


DIE KATHOLISCHEN FAMILIENVERBÄNDE


Sie engagieren sich nicht allein für katholische Familien sondern stellen sich in den Dienst aller Familien: das Evangelium ist ihre Stärke. In der Tat drückt sich ihr Bezug zum katholischen Glauben durch ihr politisches Handeln (nicht pastorales Handeln) aus und ihre Vorschläge basieren auf der Soziallehre der katholischen Kirche, eine reiche, globale und kohärente Quelle, die im Allgemeinen – auch von Nicht-Katholiken - respektiert wird und die es erlaubt, sehr schnell zu konkreten Vorschlägen zu kommen. Bescheiden leisten die Familienverbände Zuarbeit und halten es in der Tat für förderlich, ihre christliche Identität nicht zu verbergen, sondern sind stolz auf diese Lehre, „die auf der Würde des Menschen basiert", wie Papst Franziskus im vergangenen Jahr ausführte: „Er hat Mann und Frau erschaffen nach seinem Ebenbild und Gleichnis": als Gott die Frau erschuf, so könnte man sagen, hat er zeitgleich die Familie erschaffen, denn beide zusammen, Mann und Frau, entsprechen dem Ebenbild Gottes... In diesem Sinne ist die Familie Verkündiger des Evangeliums, und die Familienverbände sind keine kirchlichen Bewegungen oder stehen im Dienste der Glaubensverbreitung. Sie ebnen den Weg, gehen voran und folgen ihrem Auftrag, der sich aus dem Evangelium ergibt, die Pflicht eines jeden Christen ("Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!" Paulus 1.Kor 9:16) und dieses Feuer, das uns anspornt, die Liebe Gottes allen zuteil werden zu lassen, motiviert uns, ist solide Basis für alle, die sich in einem katholischen Familienverband engagieren.


Vor mehr als 20 Jahren wurde FAFCE gegründet. Regelmäßig treffen sich die Verantwortlichen der katholischen Familienverbände aus 16 europäischen Ländern (es fehlen also noch einige...!), um sich auszutauschen, weiterzubilden, und wichtige Schritte an den europäischen Institutionen zu besprechen (Europarat, Parlament und Kommission der EU), besonders mit Blick auf die vier großen Krisenbereiche, die unseren Kontinent umtreiben: Demographie, Migration, Arbeit und Bildung.


FAFCE verfügt nur über begrenzte Mittel. Würde jede interessierte Familie in Europa uns einen Euro pro Jahr zur Verfügung stellen, hätten wir mehr als genug und könnten unsere Erfahrungen weit über die europäischen Grenzen hinaus weitertragen und zeigen, dass „Familien kein Problem sondern in erster Linie eine Chance sind" (AL 7). Vergleichen wir uns mit den unzähligen europäischen Lobbyverbänden in Brüssel, so haben wir eine Stärke und das ist das Evangelium, die Frohe Botschaft, die unserer Arbeit Sinn gibt: hinter uns, auf unseren Schultern , auch wenn wir im Abseits in Brüssel wirken, weit weg vom Alltag der Familien, die wir ja repräsentieren, steht ein Volk, das glaubt, ein Volk im Vertrauen auf den wahren Gott, einen Gott, der nicht wie ein Prinz oder Held auf die Welt gekommen ist, sondern als Kind in einer Familie.

KONTAKT

Telefon: +32 (0) 4 98 46 02 20 

Mail: FAFCE Föderation der katholischen Familienverbände in Europa

19 Square de Meeus B-1050 Brüssel/Belgien

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