FAFCE

Föderation der katholischen Familienverbände in Europa

FAFCE-Mitgliederversammlung in Strasbourg

Vom 24. bis 26.11.2008 fand in der Europastadt Straßburg die diesjährige Herbstversammlung der FAFCE-Mitglieder statt. Sie hatte das Thema: „Die Zukunft der FAFCE als Teil der christlichen Zivilgesellschaft in Europa". Die drei Tage im Tagungszentrum der Straßburger Kreuzschwestern „La Rencontre" boten neben intensiven fachlichen Beratungen auch vielfältige Gelegenheiten zum innerverbandlichen und persönlichen Austausch für die FAFCE, einer aus 16 Mitgliedsorganisationen bestehenden europäische Föderation von Familienorganisationen aus 14 Nationen. Dabei ist das gute und die Nationalgrenzen überwindende Miteinander weit mehr als bloßer Nebeneffekt: Es ist vielmehr das Fundament, auf dem nach der ökonomischen Grundsteinlegung sich das „Haus Europa" zukünftig auch stärker sozial integrieren kann. In diesem Sinne ging es bei der mit 24 Teilnehmern gut besuchten Tagung auch darum, über die inhaltliche Auseinandersetzung zu familienpolitischen Themen das Europabewusstsein zu fördern. So stand neben den üblich-formalen Regularien unter anderem ein gemeinsam mit der Union Stiftung (Saarbrücken) und Renovabis (Freising) veranstalteter Studientag auf der Tagesordnung, der für die FAFCE selbstbezüglich die Rolle einer christlich motivierten europäischen Dachorganisation in den Blick nahm.

Die Stärke Europas liegt in der Vielfalt seiner Kulturen und Traditionen. Damit trotz dieser Unterschiedlichkeiten und der großen Vielsprachigkeit Kommunikation und Verständigung gelingen konnte, war es wieder wichtig, dass die Tagung von einem Team professioneller Dolmetscherinnen unterstützt wurde. So konnte in kritisch-konstruktiver Beschäftigung mit Initiativen europapolitischer Institutionen wie dem Europaparlament und der Brüsseler Kommission z.B. über die Forderung nach Mehrwertsteuerermäßigung für Kinderprodukte, über die Integration des Sonntagsschutzes in der EU-Arbeitszeitrichtlinie sowie über neue Regelungen zum Mutterschutz gut diskutiert werden. Dabei war es der Versammlung wichtig, dass angesichts der Ökonomisierung des Alltags und des zunehmenden gesellschaftlichen Pluralismus neben der Sorge um die Bezahlbarkeit familienrelevanter Produkte auch Werte wie „Wahlfreiheit" oder „gemeinsame freie Zeit für Familien" zur Geltung gebracht wurden. Auch wurde diskutiert, wie dies religiös motiviert geschehen kann, denn wie die letzten Endes erfolglosen Debatten um den Gottesbezug im europäischen Verfassungsvertrag gezeigt haben, stößt eine explizite religiöse Identifikation Europas als „christliches Abendland" auf Widerstand. Im Hinblick auf den hohen Säkularisierungsgrad europäischer Gesellschaften ist es aber umso notwendiger, dass Christen ihre sachlich berechtigten Beiträge nunmehr auf zivilgesellschaftlicher Ebene in die politische Willensbildung einspeisen. Gegen die in Europa gesellschaftlich vorherrschenden Individualisierungstendenzen ist es z.B. ein zentrales familienpolitisches Thema, die Einzelperson vor allem als ein Beziehungswesen darzustellen. Hier sind auch angemessene Bedingungen einzuklagen, damit der Lebens- und Entfaltungsraum der sozialen (Beziehungs-)Einheit Familie in all ihren Formen nicht weiter beschnitten wird. Für eine solche gesellschaftspolitische Auseinandersetzung ist es wichtig, religiöse Anliegen insbesondere kulturell zu vermitteln. Nicht zuletzt aus diesem Grund argumentiert die katholische Soziallehre seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vor allem auf der Grundlage der Menschenrechte.

Unter dem Stichwort „Konsolidierung folgt der Expansion" ging es für die in den letzten Jahren größer gewordene Föderation der katholischen Familienverbände in Europa natürlich auch um die immer wieder notwendige Klärung des Selbstverständnisses. In diesem Zusammenhang waren verschiedene Referenten eingeladen, aus ihrer Perspektive Impulse zu geben. Zur Diskussion gestellt hat ihren Vortrag die ehemalige Vorsitzende des Zentralkomitees der Katholiken, Rita Waschbüsch, die zu „Chancen verbandlichen Engagements von Laien beim Aufbau einer zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit in Europa" sprach. Stefan Nacke führte in Vertretung für ein anderes kurzfristig abgesagtes Referat zu „Bedingungen gelingender Europäisierung katholischer Familieninteressensvertretung" aus. Msgr. Aldo Giordano gab nicht nur Erläuterungen zur „Familienpolitischen Positionierung der Kirche im Kontext europäischer Institutionen", sondern stand als Vertreter des Hl. Stuhls beim Europarat auch einem vielsprachig-gemeinsamen Gottesdienst vor.

Schließlich geht es bei der sich im kontinuierlichen Aufbau begreifenden FAFCE auch um eine stets fortschreitende Professionalisierung ihrer Arbeit. So konnten mit dem FAFCE-Imageflyer „Familien sind Europas Reichtum" und der modern neugestalteten Homepage (www.family-eu.org) neue Instrumente der FAFCE-Öffentlichkeitsarbeit vorgestellt werden. Elisabeth Bußmann brachte als FAFCE-Präsidentin die treibenden Motivationen auf den Punkt, indem sie einen Spruch des EU-Sozialkommissars Spidla zitierte: „Wer die Fahrtrichtung des Zuges Europa mitbestimmen will, muss vorne, in der Lokomotive, sitzen. [...] Ich glaube, die Europäische Union braucht eine neue Vision!" Damit die familienpolitischen Visionen auch in Europa auf besseres Gehör treffen, soll im Sinne kurzer Wege im kommenden Sommer das FAFCE-Generalsekretariat auch aus der Bundeshauptstadt Berlin nach Brüssel, ins Zentrum des europapolitischen Geschehens umziehen.

Die Tagung wurde mit Gesprächen im Kontext eines Besuches beim Europarat sowie einer kenntnisreichen und interessanten Führung durch das Straßburger Münster abgerundet.

Stefan Nacke

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Mail: FAFCE Föderation der katholischen Familienverbände in Europa

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